Wie nütze ich Dr. Google im Umgang mit meinen Patienten?

Mag.-Iris-Kraft-Kinz

Es bleibt ein Reizthema: Immer, wenn ich gemeinsam mit Ordinationsinhabern über Patientenfrequenzen und Umsatzpotentiale spreche, kommen wir auf Dr. Google: Patientengespräche dauern mitunter länger, weil Wissen oder Halbwissen besprochen werden muss. Die Aufklärung in der Ordination verschlinge dann einen Großteil der Besprechungszeit. Dazu gab es eine erhellende Untersuchung der deutschen Bertelsmann Stiftung (www.bertelsmann-stiftung.de: Patienten schätzen „Dr. Googles“ Vielseitigkeit). Die selbständige Einordnung der Informationen fällt den Patienten schwer. Unabhängige und von medizinischen Institutionen anerkannte Angebote im Netz wie der Deutsche Krebsinformationsdienst werde dieselbe Glaubwürdigkeit beigemessen wie einem Alternativmedizin-Portal. Gleichzeitig ergeben sich Komplikationen in der Arzt-Patienten-Beziehung: Laut Studie haben 30 Prozent der Patienten Angst, dem Arzt von ihren Onlinerecherchen zu erzählen.

Spannend wird es, wenn nach der Wahrnehmung der Ärzte gefragt wird: Laut Bertelsmann geben fast 30 Prozent der Ärzte an, sie hätten sich bereits über eine Selbstinformation des Patienten geärgert – aber nur 18 Prozent der Patienten haben einen solchen Ärger wahrgenommen. Ärztinnen und Ärzte haben offenbar ihre Emotionen unter Kontrolle.

Die Studie spricht Empfehlungen aus, wie Ärzte mit den Internetinformationen der Patienten umgehen sollen: Das Prinzip lautet: Aktiv damit umgehen. Ärzte sollten Patienten bei der Suche nach Gesundheitsinformationen unterstützen und beraten. Gute Webportale sollten aktiv empfohlen werden. Und es ist ratsam, die Patienten aktiv anzusprechen, ob sie im Internet auf Fragen gestoßen sind, bei denen geholfen werden kann. Der offene Umgang mit dem Internet sorgt dafür, Fehlinformationen aufzuspüren und Patienten richtig zu beraten. Die ärztliche Kompetenz wird immer anerkannt.

Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit der Texte wurde die männliche Form von personenbezogenen Hauptwörtern gewählt. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung eines jeweils anderen Geschlechtes. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Quelle: (MEDplan-)Kolumne von Frau Mag. Iris Kraft-Kinz, erschienen im „Medical Tribune“

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