Nicht immer verstehen sich Arzt und Patient, selbst wenn sie miteinander reden. Die Gründe der Sprachlosigkeit liegen meist am fehlenden Problembewusstsein auf Seiten der Ärzteschaft. Nicht immer ist dabei das in langer Ausbildung erworbene Fachvokabular hilfreich. Bis auf wenige Ausnahmen läuft das Arzt-Patientengespräch in vier Phasen ab. Die Eröffnung bestimmt die Atmosphäre und Richtung des Gespräches. Dann gilt es auszuloten, ob der Patient verschüchtert, verlangend, vielleicht sogar genervt oder ernsthaft besorgt ist. In der nächsten Stufe wird der Patient mit anfangs offenen, später immer präziser werdenden Fragen zur Lieferung aller notwendigen Informationen gebracht. Am Ende steht eine Bilanz, die das Gesprächsergebnis zusammenfasst. Dieses Stadium wird entscheiden, ob beide, Arzt und Patient, das Gespräch als erfolgreich in Erinnerung behalten.
Im Gespräch sollen unpersönliche Man-Appelle vermieden werden. Sie sind halbherzig und wenig überzeugend. Gleiches gilt für Wir-Aussagen, die vom Patienten meist ohne Reaktion aufgenommen werden. „Ja-aber“-Formulierungen wiederum signalisieren nur scheinbare Zustimmung, die den Patienten mehr ruhigstellen als beruhigen. Die Patientengespräche müssen zudem ungestört und diskret stattfinden können. Gerade bei kurzen Unterhaltungen tendieren zeitgeplagte Ärzte zu einer „Tür- und Angel“-Konversation. Wichtig ist, dass der Arzt sein Interesse an der Unterhaltung sichtbar macht. Keine abgewandte Körperhaltung, kein paralleles Lesen auf Schirm oder Karteikarte. Zum Schluss noch zur Kunst des Fragens: Geschlossene Fragen, die nur mit Ja oder Nein zu beantworten sind, liefern knappe, aber präzise Informationen. Zur Vertrauensbildung sind sie daher denkbar ungeeignet. Offene (nichtstrukturierte) Fragen bilden die richtige Fragetechnik bei der Gesprächseröffnung und zur Vertiefung des Gesprächs. Die ärztliche Fragetechnik ist gut, wenn es gelingt, den Patienten zu stimulieren, mit eigenen Worten zu schildern, was ihn bewegt oder belastet.
Gender-Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit der Texte wurde die männliche Form von personenbezogenen Hauptwörtern gewählt. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung eines jeweils anderen Geschlechtes. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Quelle: (MEDplan-)Kolumne von Frau Mag. Iris Kraft-Kinz, erschienen im „Medical Tribune“